Die Serra Parima Expedition
Das Expeditions-Tagebuch von Dr. Albert West wurde am 30. März 1886 im Serra Parima Gebiet Venezuelas von Mitgliedern des Volks der Ye’kuana gefunden. Es war im Besitz von George Hamilton, einziger Überlebender der Serra Parima Expedition. Ein britischer Suchtrupp hat ihn in einem Dorf der Ye’kuana gefunden. Sein Geisteszustand lässt keine Befragung zu und hat sich bis heute nicht gebessert. Er ist nicht stumm sondern wiederholt die Strophe eines Kinderliedes immer und immer wieder:
Die Affen rasen durch den Wald,
der eine macht den andern kalt.
Die ganze Affenbande brüllt:
Wo ist die Kokosnuss, wo ist die Kokosnuss,
wer hat die Kokosnuss geklaut?
George Hamilton und das Tagebuch wurden zurück nach London gebracht, wo das Tagebuch von mir sorgfältig studiert und transkribiert wurde. Aufgrund der Witterung und anderer Einflüsse sind einige Passagen unleserlich und als solche gekennzeichnet. Auch sind Zeichnungen und andere Auffälligkeiten vermerkt. Von Dr. Albert West fehlt weiter jede Spur.
Das Transkript des Tagebuchs dient ausschließlich zur Vorlage gegenüber der Royal Geographic Society und ist streng geheim. Die Verbreitung wird auf Geheiß von Queen Victoria persönlich mit dem Tode bestraft.
Jonathan Banks, 13. Mai 1886
10. März 1886
Wir sind im Serra Parima Gebiet angekommen, dem am wenigsten erforschten Gebiet Südamerikas. Es ist wunderschön. Eine vergessene Welt innerhalb unserer Welt. Wir haben unser Lager im Dorf des Stammes der Ye’kuana aufgebaut, am Ufer des Río Auaris. Zumindest vorübergehend. Das Volk selbst ist sehr freundlich und lebt in kreisförmigen Gemeinschaftshäusern mit kegelförmigen Dächern aus Palmblättern. Sie nennen sie Atta.
[Skizze eines Attas. Gezeichnet mit Graphitstift]
Sie glauben an Wanádi. Er muss eine Art Gott sein und soll den Geschichten nach die Menschen aus den Fingern seiner linken Hand erschaffen haben. Aus dem Zeigefinger machte er zuerst den Mann, aus dem Daumen danach die Frau. Ein faszinierendes Volks. Ich würde gerne länger hier bleiben und sie erforschen, aber es gibt Größeres zu erkunden.
Unsere Ausrüstung hat die bisherige Reise gut überstanden. Auch das feuchte Klima scheint den empfindlichen Instrumenten nichts anzuhaben. Bei unserer Ankunft in Venezuela gab es zunächst Probleme mit Papieren und Befugnissen, aber nichts, was ein paar gute alte Pfund nicht wieder in Ordnung bringen konnten. Der Queen sei Dank gibt es noch Länder, in denen Geld mehr zählt als Gesetze und Vorschriften.
Die heutige Nacht verbringen wir hier. Morgen geht es dann tief in das Serra Parima Gebiet. Einer der Ye’kuana wird uns bis zu der heiligen Stätte führen. Dort sind wir auf uns alleine gestellt. Ich war noch nie so aufgeregt. Was uns dort wohl erwartet? Was werden wir finden? Müssen wir die Geschichtsbücher neu schreiben? Ich hoffe es.
11. März 1886
Der ersten Morgen unserer Expedition und schon der erste Rückschlag. Vier unserer Träger haben sich den Magen verdorben und kotzen um die Wette. Die Ye’kuana sprechen von einem Fluch, der alle heimsucht, die die heilige Stätte betreten. Wie ich diese abergläubischen Geschichten allesamt satt habe. Die heilige Stätte ist auch nicht mehr als zusammengetragener, geschlagener Stein. Es gibt für alles eine wissenschaftliche Erklärung, auch hierfür, und ich werde sie finden und wenn ich dafür mit der Wissenschaft allein durch das Serra Parima Gebiet irren muss.
Wir können nun entweder Teile unserer Ausrüstung zurücklassen oder erst in einigen Tagen aufbrechen, wenn alle wieder gesund sind. Elizabeth will nicht länger warten und ich auch nicht. Oh, geliebte Elizabeth, wie freudig springt mein Herz, dass du mich begleitest.
Vielleicht bringen wir andere Ye’kuana dazu, uns zu begleiten und unsere Ausrüstung zu tragen. Es ist schwer sich mit ihnen zu verständigen. Ihre Sprache ist den karibischen sehr ähnlich, zumindest was die Sprachmelodie angeht, aber ich bin kein Sprachwissenschaftler. Für eine Expedition in unerforschtes Land wird es wohl reichen.
12. März 1886
Heute sind wir aufgebrochen, endlich. Elizabeth und ich leiten das Team. An unserer Seite sind noch unsere Assistenten George Hamilton und Charlotte Debois sowie zwei Ye’kuana, die uns beim Tragen helfen. Von den Kranken ist nur David Hedington in der Lage mit uns zu kommen. Der Rest ist im Dorf geblieben. In Summe sind wir also zu siebt.
Vier Tagesmärsche sollen es bis zur heiligen Stätte sein. Ich hoffe, es gibt keine weiteren Zwischenfälle. Nach all dem Geld, das diese Expedition kostet, können wir nicht mit leeren Händen zurückkommen. Zumindest haben wir unser erstes Ziel erreicht und das Nachtlager am Fuße des Bergmassives aufgeschlagen. Ersten Proben nach zu urteilen besteht es vollkommen aus metamorphem Gestein und Graniten des Präkambriums, die durch Erosion abgeflacht scheinen. Elizabeth und ihre Steine. Manchmal glaube ich, sie liebt sie mehr als mich.
Auch ich habe etwas Gestein behalten. Zurück in London werde ich es schleifen lassen, um den Ring zu veredeln, mit dem ich um Elizabeths Hand anhalten werde. Dieser Stein soll uns für immer an diese Expedition erinnern.
13. März 1886
Regen. Nichts als Regen. Wir marschieren durch Schlamm und Dreck und kommen kaum voran. Ich hoffe der Schutz der Ausrüstung hält alles trocken und die Ye’kuana kennen den Weg. Ich selbst sehe nicht mehr als zwei Fuß vor mir. Nicht vorzustellen, wenn… [unleserlich geschrieben], aber Elizabeth gibt mir Kraft, die…[die nächsten vier Zeilen sind vom Regen zu sehr verwischt, um sie entziffern zu können]
Wie auch immer, wir werden nicht aufgeben und uns bis zur heiligen Stätte durchschlagen. Was wir dort finden, liegt allein in Gottes Hand. So er will, finden wir dort Anerkennung und Wissen, das zukünftige Generationen weitertragen können.
14. März 1886
Endlich wieder Sonne. Wir haben eine schmale Höhle gefunden, in der wir alles trocknen. Die Ausrüstung scheint den Regen gut überstanden zu haben. Auch die Stimmung ist wieder besser. George macht Scherze und Charlotte lacht über jeden davon. Selbst wenn die heilige Stätte nichts zu bieten hat, die beiden haben zumindest sich gefunden.
Flora und Fauna hier sind immer noch beindruckend, aber ebenso gefährlich. Immer wieder gibt es Schlammlöcher und die Eunectes murinus ist hier heimisch. Im Serra Parima ist der Mensch nicht die Spitze der Nahrungskette. Wir müssen vorsichtig sein.
Morgen sollten wir die heilige Stätte erreichen. Wie weit uns der gestrige Tag zurückgeworfen hat, werden wir dann sehen. Unser Führer meint, wenn wir weniger Pausen machen und schneller gehen, können wir die verlorene Zeit wieder aufholen. Zumindest glaube ich, dass er das gesagt hat. Es ist immer noch schwer mit ihnen zu kommunizieren und Gesten bergen zu viel Spielraum für Missverständnisse.
Um die Zeit gut zu machen müssen George und Charlotte auch endlich Schritt halten. Nicht zu glauben, wie wenig Ausdauer junge Menschen haben können, verliebte erst recht. Ausdauer kann wohl auch Geld nicht kaufen.
15. März 1886
Die heilige Stätte ist atemberaubend. Ein im Massiv verschmolzener Tempel mit verzierten Säulen und einem spitzen Schrägdach. Der Anblick ist einfach nur wunderschön. Ich hoffe, ich kann ihn auch nur annähernd erfassen.
[Handschriftliche Skizze der heiligen Stätte. Gezeichnet mit Graphitstift]
Die Stätte wirkt, als wäre die Zeit spurlos daran vorüber gegangen. Ein Ort fern von jeder Zeit und fern jedes Raumes. Wie gerne würde ich ihn in der Blüte sehen. All das zu rekonstruieren wird nun unsere Aufgabe sein. Mein ganzer Körper kribbelt und das, obwohl wir die Stätte noch nicht einmal betreten haben. Wir haben unser Lager etwas erhöht und einige dutzend Fuß entfernt aufgeschlagen. Morgen erkunden Elizabeth und ich alles, während David, George und Charlotte die Ausrüstung aufbauen. Wie weit die Stätte wohl ins Innere führt? Auch Elizabeth wird immer unruhiger. Es ist ein gutes Gefühl, bald etwas zu tun zu haben.
16. März 1886
Ich glaube immer noch nicht an Flüche. In der Nacht haben wir David verloren. Obwohl die Ye’kuana davor gewarnt haben, hat er sich wohl zu weit vom Lager entfernt. Das Feuer dort hält auch die Eunectes Murinus fern. Am Morgen haben wir nach David gesucht und ihn gefunden, oder zumindest die Anaconda, deren Bauch stark gewölbt war. Armer David. Auch einer der Ye’kuana hat uns verlassen und immer wieder von dem Fluch gesprochen. Der andere bleibt im Lager und will nicht näher an die heilige Stätte heran. Solange er dort auf uns wartet und uns wieder zurück ins Dorf führt, soll es mir recht sein. Beim Erforschen würde er ohnehin nur im Weg stehen.
Elizabeth und ich haben den ganzen Tag in der Stätte verbracht. Die Anlage ist überwältigend und weitaus größer, als wir gedacht haben. Ich glaube unser Vorrat an Papier wird nicht ausreichen, um alle Ebenen zu erfassen. Fast schon wie die Gräber in Nairobi, die ich vor drei Jahren untersucht habe. Ich glaube nicht, dass wir schon ihr ganzes Ausmaß schätzen können. Dutzende Ebenen und Gänge führen ins Innere des Massives. Es gibt Altare, Statuen und Runen. Elizabeth rechnet die Stätte der späten Präklassik zu. Es wird lange dauern, um alles darin zu erfassen und dokumentieren. Vielleicht kann sie die Stätte dann genauer datieren. Dieser Fund wird in die Geschichte eingehen und Elizabeth und ich mit ihm. Ein Schmuckstuck haben wir bereits geborgen. Elizabeth kann die Augen nicht davon lassen, als wäre sie besessen davon. Es lag auf einem der Altare und sieht aus wie eine vergoldete mit Edelsteinen verzierte Kokosnuss. Sie ist schwer, sehr schwer. Was wohl der Nutzen des Gegenstandes war?
[Skizze des gefundenen Gegenstandes. Mit Graphitstift gezeichnet]
17. März 1886
Alle haben Angst und wollen die Expedition abbrechen. Ich kann sie verstehen. In der Nacht hat es geklungen, als würde jemand singen, aber nicht mit Worten, nur mit Lauten. Ich bin aus dem Zelt, um den Ursprung zu finden und da habe ich sie gesehen. Weiße, schimmernde Gestalten, die sich im Eingangsportal der heiligen Stätte bewegt haben. Sie sehen aus wie Affen, aber ich konnte sie nicht gut erkennen. Elizabeth weicht seit dem nicht mehr von meiner Seite und auch George und Charlotte haben sich ins Zelt zurückgezogen. Etwas geht von den Wesen aus, das mir das Blut in den Adern gefrieren lässt. Ich kann es nicht erklären oder beschreiben. Ich weiß nur, dass dieser Ort kein Ort für die Lebenden ist.
Aber was ist anders zur letzten Nacht, wo sie noch nicht da waren? Sind sie wirklich gekommen, weil wir die Stätte betreten oder das Kleinod mitgenommen haben? Gibt es doch einen Fluch? Die Affen bleiben im Eingangsportal und huschen zwischen den verzierten Säulen umher. Die Runen im Stein leuchten blau. Elizabeth will sich das am Morgen ansehen. Vielleicht eine lumineszierende Essenz im Gestein. Wenn ich die Säulen genauer betrachte, bilden sie einen Kreis, als würden sie die Affen gefangen halten und könnten diese die Stätte nicht verlassen. Wo sind sie dann aber am Tag? Ich weiß nicht, ob es eine gute Idee ist, noch tiefer in die Stätte einzudringen. Wer weiß, was uns dort erwartet. Möge die Wissenschaft alles erklären aber Gott uns beistehen.
18. März 1886
Die heilige Stätte ist unverändert und von den Affen von letzter Nacht nichts zu sehen. Elizabeth traut sich trotzdem nicht zu tief ins Innere der Anlage. George und ich versuchen es trotzdem, Charlotte bleibt bei Elizabeth. Niemand sollte sich allein zu weit von der Gruppe und dem Tageslicht entfernen. Wir haben versucht etwas vom verbleibenden Ye’kuana zu erfahren, aber er spricht immer nur von einem Fluch und deutet auf die Stätte. Meint er damit die Affen?
Den ganzen Tag über hat es geregnet und auch Gewitter sind über uns hinweg gezogen. Ein Blitz hat das Dach der Stätte eingeschlagen und eine der Säulen umgeworfen. Jahrhunderte lange, hat sie allen Witterung getrotzt und nun fällt sie einfach wegen einem Blitz um? Etwas hier stimmt nicht. Wir sind dutzende, wenn nicht hunderte Meter unterhalb des Gipfels. Warum schlägt der Blitz in die Stätte ein?
George und ich haben im Inneren der Stätte Särge gefunden. Alte, schwere, Steinsärge mit Masken und Reliefen darauf abgebildet. Ich wollte Fotos davon machen, aber die Ausrüstung ist zu groß und zu schwer, um sie in die schmalen Gängen und Räume zu bekommen. Stattdessen habe ich versucht, eine Maske abzupausen.
[Abdruck von einer Maske. Gezeichnet mit Graphitstift]
Vielleicht weiß jemand in London, was es damit auf sich hat. Selbst ich als Historiker habe so etwas noch nie zuvor gesehen. Wir haben den Sarg auch geöffnet, aber sie waren alle leer. Keine Knochen, keine Mitgaben, nichts. Was macht ein Raum voller leerer Särge in einer heiligen Stätte?
Elizabeth hat mich am Abend gebeten, die Expedition abzubrechen. Sie wollte etwas dabei finden, nicht ihr Leben verlieren. Ich stimme ihr zu. Vielleicht gibt es doch nicht für alles eine wissenschaftliche Erklärung. Vielleicht gibt es Dinge, die wir nicht verstehen können, nicht verstehen sollten. Vielleicht gibt es eine Welt in oder unter unserer Welt. Ich weiß nur, dass ich zurück in die meine möchte.
19. März 1886
Charlotte ist weg! Charlotte ist weg! Sie ist einfach verschwunden. George ist in der Früh aufgewacht und sie war fort. Wir haben alles in der näheren Umgebung abgesucht aber sie ist nicht wieder aufgetaucht. Dafür haben wir Spuren im Schlamm gefunden. Sie sind nicht von Menschen und nicht von Schuhen. Kann es sein, dass die umgestürzte Säule die Affen befreit hat? Haben sie Charlotte geholt? Wo haben sie sie hingebracht? Elizabeth kann gar nicht mehr aufhören zu weinen und will einfach nur mehr nach Hause. Ich kann es ihr nicht verübeln. Wir haben alle Angst vor der nächsten Nacht. Den heutigen Tag haben wir nur mit der Suche nach Charlotte verbracht, aber sie nicht gefunden. Als wir zum Lager zurück gekommen sind, war auch der letzte Ye’kuana fort. Er hat uns einfach allein gelassen, im Nirgendwo. Nun geht die Sonne wieder unter und die Angst steigt. Wir sind allein an einem Ort, den wir nicht kennen und werden von Wesen bedroht, die wir nicht kennen. Ich bereue nicht, auf diese Expedition gegangen zu sein. Ich bereue nur, keine Waffen mitgenommen zu haben.
20. März 1886
Wir haben Charlotte gefunden. Gott möge ihrer Seele gnädig sein. Diesen Anblick werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Ihr zerfetzter Körper hing über dem Ast eines Kapokbaumes, mehr als dreißig Fuß über dem Boden. Ihre Haut war von Kratzern und Rissen übersät und ihre Bauchdecke geöffnet. Erst der Gestank hat uns überhaupt zu ihr geführt. Was hat sie nur so zugerichtet und wie ist sie in den Baum gekommen?
George und ich haben die goldene Kokosnuss zurück an ihren Platz gebracht, in der Hoffnung, dass der Spuk dann ein Ende hat. Auch in dieser Nacht sind die Affen wieder durch die Dunkelheit geschlichen. Ich glaube auch, dass sie an den Zelten vorbei gehuscht sind. Warum haben sie uns nicht angegriffen? Warum hat es Charlotte erwischt? Hat sie das Zelt in der Nacht verlassen? George weiß es nicht mehr, er hat tief und fest geschlafen.
Wir haben beschlossen die Expedition abzubrechen. Unsere Leben sind mehr wert als alles Wissen dieser Welt. Wenn wir tot sind, können wir es ohnehin nicht mehr weitergeben.
21. März 1886
Elizabeth ist krank. Sie hat hohes Fieber und hustet Blut. Gestern war sie noch kerngesund und heute in keinerlei Verfassung, den Rückweg anzutreten. Wir wissen nicht einmal, wohin wir müssen. Langsam glaube ich, dass wir das Serra Parima Gebiet nicht mehr verlassen werden. Auch meine Meinung bezüglich Flüche beginne ich zu überdenken. All das kann kein Zufall mehr sein und zum ersten Male steht mir die Wissenschaft ratlos zur Seite.
Gerne würde ich die Affen näher betrachten, aber ich habe Angst wie Charlotte zu enden. Dass wir den Gegenstand zurück gebracht haben, scheint sie nicht besänftigt zu haben. Immer noch ziehen sie ihre Runden. Ich teile mir nun mit George ein Zelt. Wir wollen uns nicht an Elizabeth anstecken, auch wenn ich mich schlecht fühle, nun nicht an ihrer Seite zu sein. Ich hoffe nur, wir kehren alle heil wieder nach England zurück. Ich möchte nicht im Nirgendwo sterben.
22. März 1886
[Dieser Eintrag ist von Blut verschmiert, aber dennoch gut zu lesen]
Oh, Elizabeth, was hast du getan. Ich habe in ihren Sachen gewühlt, auf der Suche nach weiterer Medizin, habe stattdessen aber die goldene Kokosnuss gefunden. Sie muss sie wieder geholt haben, nachdem wir sie zurück gebracht haben. Was hat sie sich nur dabei gedacht? Warum hat sie das getan?
Das Fieber ist stärker geworden und sie spricht im Fieberwahn. Ich weiß nicht, ob sie mich oder ihre Umgebung noch wahrnimmt. Sie ist vollkommen weggetreten. Ihre Lippen sind blau und ihr Mund voller Blut. Was hat sie nur?
Ich schreibe diese Zeilen, nachdem ich gerade bei ihr war. Ihr Blut klebt nun auch an meinen Händen. Hoffentlich stecke ich mich nicht an. Ich werde die Kokosnuss erneut an ihren Platz bringen, bevor sie uns noch alle ins Verderben führt. Elizabeth kann sie nun nicht mehr fortbringen.
Diese Expedition ist ein Desaster. Ich hätte daheim in England bleiben sollen und mein Leben genießen. Abenteuer klingen solange verlockend, bis man sich in einem befindet und keinen Ausweg mehr weiß.
23. März 1886
Elizabeth ist tot. Meine geliebte Elizabeth. Ich habe in der Früh nach ihr gesehen, aber sie war bereits starr. Sie hatte die Augen noch geöffnet, ihre schönen blauen Augen. Ich wünschte, ich wäre in der Stunde ihres Todes bei ihr gewesen. Niemand sollte allein sterben. Nicht so und nicht an diesem Ort.
Auch ich huste nun Blut. Dieser Ort ist verflucht. Wir sind verflucht. Wir hätten niemals hier her kommen dürfen. Niemals die heilige Stätte betreten und niemals die Kokosnuss stehlen dürfen. Nun bezahlen wir mit dem Tod. Nur mehr George und ich sind übrig und ob ich es nach Hause schaffe, ist ungewiss. Außerdem kann ich Elizabeth nicht einfach hier zurück lassen. Wir sollten die Ausrüstung hier lassen und ihre Leiche mit zurück nehmen. Meine Elizabeth.
24. März 1886
[Dieser Eintrag ist sehr unleserlich geschrieben, versetzt und teilweise ineinander und durcheinander]
Zwei Wochen seit Beginn unserer Expedition und außer dem Tod haben wir nichts gefunden. Mein Zustand hat sich verschlechtert. Auch ich habe Fieber bekommen. Alles dreht sich und ich finde keine Worte mehr. Die heilige Stätte, die Affen, all das ist…
[In den folgenden drei Absätzen sind nur einzelne Wörter leserlich, die aber sind fast ausschließlich Artikel, also ohne Nutzen, daher habe ich sie weggelassen]
Daher habe ich George gesagt, er soll sein Glück versuchen. Ich werde hier bleiben…[unleserlich]…zurückschaffen. [unleserlich]…Affen…[unleserlich]….Geheimnis…[unleserlich]…Fluch. Elizabeth, es tut mir Leid, ich hoffe…[unleserlich]…Tagebuch. [unleserlich]…das Ende.